Zum Tod von Nadja Abd el Farrag

Zum Tod von Nadja Abd el Farrag

May 12, 2025

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Nadja Abd el Farrag ist tot. Und die Schlagzeilen wissen nicht, wie man sie würdevoll loslässt.

Nicht einmal jetzt nennen sie sie einfach bei ihrem Namen. Noch immer ist sie in den Überschriften nur "Bohlens Ex". Als sei das alles, was von ihr in Erinnerung bleiben wird. Ich würde mich nicht wundern, wenn man ihr auf den Grabstein „Ruhe in Frieden, Bohlen-Ex“ meißelt - weil Boulevardmedien offenbar selbst im Tod nicht loslassen können von der Rolle, in die sie Nadja ihr Leben lang gezwungen haben.

Aber Nadja war mehr.

Sie war eine Frau, über die sehr viele gelacht, getuschelt und sehr wenige innegehalten haben. Eine arme Seele, die man immer wieder in das Licht der Öffentlichkeit gezerrt hat. Oft vorgeführt, fotografiert - in Momenten, in denen sie sich am meisten verloren hatte. Und vor allem: in Bildern, die gezielt ausgewählt wurden, weil sie darauf nicht gut aussah. Die Medien schlachteten es aus, sie schwach zu zeigen. Verstört. Verwackelt. Angetrunken.

Selbst als sie das Rampenlicht und die Öffentlichkeit mied, ließ man sie nicht in Ruhe. Man lauerte ihr auf, verfolgte sie, fotografierte sie heimlich.

Ich erinnere mich gut an einen dieser bitteren Momente. Naddel saß in einer TV-Show, offensichtlich alkoholisiert. Die Moderatoren machten sich über sie lustig. Ich schrieb damals darüber, dass das kein Spaß ist. Dass Alkoholismus eine Krankheit ist. Dass es armselig ist, Witze zu reißen, als wäre das ein Sketch. Mein Text wurde später gelöscht, weil sich jemand darüber beschwert hatte. Aber was zählt, ist dass sie damals niemand schützte.

Heute tun plötzlich viele so, als wären sie enge Vertraute gewesen. Als hätten sie sie stets geschätzt. Doch die Wahrheit ist: Viele, die jetzt Beileid bekunden, haben ihr zu Lebzeiten nie Mitgefühl geschenkt. Nur Spott. Und so viel Sensationsgier.

Ja, natürlich gab es Menschen, die ihr helfen wollten. Aber Hilfe muss man auch annehmen können. Und manchmal ist der Weg zurück aus dem Abgrund länger, als andere bereit sind, ihn mitzugehen. Nadja hat gestrauchelt. Immer wieder. Sie ist gefallen. Immer wieder. Sie wurde ausgelacht. Immer wieder. Und sie ist trotzdem weitergegangen. Irgendwie. Irgendwohin.

Jetzt ist sie gestorben - an Organversagen. Eine Folge von Jahren, in denen sie unter anderem an Leberzirrhose litt. Eine traurige, lange bekannte Diagnose. Und während die sozialen Medien ihr Mitgefühl posten, wird auf ihrem Instagram-Account plötzlich Werbung geschaltet. Von einem Mann, dessen Rolle leider nie kritisch hinterfragt wurde.

Es wäre leicht, über all das hinwegzusehen. Aber man muss es benennen: Nadja Abd el Farrag war eine tragische Figur in einem Zirkus, der seine Clowns durch die Manege jagt.

Sie war nicht nur die Ex. Sie war nicht nur die mit dem Alkoholproblem. Sie war nicht nur die im Dschungelcamp. Sie war jemand, der lange versucht hat, dazuzugehören. Vielleicht war das, was wir „Reality-TV“ nennen, für sie längst kein Leben mehr. Vielleicht war es ein langsames Verlöschen. Eine Show, aus der sie nie ganz aussteigen konnte.

Am Ende war sie eine arme Seele. Wahrscheinlich schon viel länger, als wir es wahrhaben wollten. Und so sehr man auch über sie gelacht hat - sie hat versucht weiterzumachen. Irgendwie. Nun ist sie still. Und vielleicht ist das der erste Moment in ihrem Leben, in dem sie wirklich ihre Ruhe hat.

Ruhe in Frieden, Nadja Abd el Farrag.

#Boulevardkritik. #RuheInFrieden, #Nachruf. #NadjaAbdelFarrag


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