Rammstein-Spenden: Wo sind die 826.000 € ...

Rammstein-Spenden: Wo sind die 826.000 € hin?

May 09, 2025

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Im Frühjahr 2025 ist etwas Seltsames passiert. Etwas, das niemand so recht einordnen will, aber viele schon lange leise spüren: Die Stimmung scheint zu kippen. Dieselben Leute, die mich als „Täterschützerin“ beschimpften, stellen nun genau die Fragen, die ich immer wieder öffentlich stellte und immer noch stelle. Auf Twitter, oder besser gesagt: auf X. Ein Thread von mir über die Spendenkampagne „Wie viel Macht hat 1 Euro?“ ging viral. Ich fragte damals: Wo ist die ganze Kohle hin? Und: Welche Opfer?

Für diese und andere Fragen, vor allem auch in der #Metoo-Verdachtsberichterstattung, wurde und werde ich massiv diffamiert und angefeindet. Nun kommen aber aus genau jener Ecke, die mich angreift, genau dieselben Fragen über die Amadeo Antonio Stiftung und den Verbleib der „Rammstein-Spenden“ Ich frage mich: Warum ausgerechnet jetzt?

„Wie viel Macht hat 1 Euro?“

Es war der Sommer 2023, als Promis wie Nora Tschirner, Carolin Kebekus, Rezo und andere gemeinsam mit der Amadeu Antonio Stiftung eine Spendenkampagne ins Leben riefen. Der Titel: „Wie viel Macht hat 1 Euro?“. Ziel: mutmaßliche Opfer des Rammstein-Sängers Till Lindemann finanziell zu unterstützen. Für Anwälte, Therapien, Sicherheit, so sagte man. Innerhalb kurzer Zeit kamen unglaubliche 826.288 Euro zusammen. 70.000 Menschen spendeten. Eine fette Erfolgsstory. Doch diese Geschichte haut hinten und vorne nicht hin! Nicht nur der Nordkurier fragte nach.

Ich habe mit mehreren Personen gesprochen. Darunter mit Jany Tempel, eine der Initiatorinnen der Kampagne. Auch sie weiß bis heute nicht, wo das Geld genau geblieben ist. Auf der Website der Stiftung wird bis heute mit dem Namen von Mit-Initiatorin Jasmina Kuhnke geworben. Auch sie - so mein Kenntnisstand - weiß nichts über das Verbleiben der Mittel. Auf Nachfrage bei ihr hieß es, ich solle mich an Tilda wenden. Was ich mit einem Kollegen von RTL auch getan habe.

Die Amadeu Antonio Stiftung teilte im April 2024 mit, dass 80 % der Spendenmittel - also über 633.000 Euro an ein neu gegründetes Projekt namens Tilda übertragen worden seien. Tilda ist ein Fonds der Organisation „stattBlumen gUG“ und soll Frauen, Lesben, inter, nicht-binäre, trans und agender Personen (FLINTA*) unterstützen. Nur: Was hat das noch mit Lindemann zu tun? Gar nix!

Die Stiftung nennt außerdem 88.241 Euro, die direkt an "Rammstein-bezogene Antragsteller" geflossen sein sollen. Doch wer sind diese Leute? Es gibt keine Namen, keine Angaben zur Prüfung der Anträge, keine wirkliche Transparenz. Und sowieso: Wer nachfragt, ist "rechts".

Die Ermittlungen: Keine Anklage, keine Opfer?

Die Berliner Staatsanwaltschaft stellte im August 2023 die Ermittlungen gegen Till Lindemann ein. Kein Verfahren, keine Verurteilung. Also auch keine juristische Grundlage für Schmerzensgeld oder Entschädigungen. Es blieb bei der öffentlichen Empörung.

Und doch wurden hohe Summen eingesammelt. Mit dem ausdrücklichen Ziel, diese mutmaßlichen Opfer zu unterstützen.

Ich habe Zugang zu einem Mailwechsel erhalten, in dem eine Frau 2024 bei Tilda um finanzielle Hilfe bat. Die Antwort: Man habe keine Telefonnummer. Keine Telefonnummer? Bei einer Organisation, die über 600.000 Euro verwaltet? Ich finde das merkwürdig. Und ich bin nicht die Einzige.

Auch die 34.000 Euro, die laut Stiftung für „Kampagnenkosten“ ausgegeben wurden, werfen Fragen auf. Was genau wurde damit bezahlt? Wer hat daran verdient? Warum gibt es keinen öffentlichen Verwendungsnachweis? Wo ist die Transparenz? Es heißt, man müsse die Personen aus persönlichkeitsrechtlichen Gründen schützen, aber man kann auch Namen unkenntlich machen und so dennoch einen Nachweis erbringen.

Die Mauer des Schweigens

Wer versucht, Antworten zu bekommen, stößt auf Schweigen. Auch Medien, die viel über Lindemann schrieben, sind auffällig still: Daniel Drepper, Ann-Katrin Müller, die SZ - alle haben über Lindemann berichtet. Und heute? Kein Interesse mehr? Keine kritische Nachfrage, keine Aufarbeitung? Warum nicht? Weil man selbst Teil des Apparats war, der die Kampagne ins Rollen gebracht hat? Und was ist mit den Leuten, die so laut getrommelt haben, als die Kampagne ins Leben gerufen wurde? Auch hier bis auf Jany Tempel: weitestgehend Schweigen.

Und jetzt das: Dieselbe Bubble, die mich nicht selten für meine kritischen Fragen angreift, stellt sie nun selbst, im Sinne von: Wusstet ihr, dass die Chefin der Amadeu Antonio Stiftung früher bei der Stasi war? ( …) Wusstet ihr, dass jemand vom Verfassungsschutz dort sitzt?

Ich frage mich: Warum jetzt? Vielleicht, weil man selbst kein Geld bekommen hat? Vielleicht, weil man merkt, dass das Vertrauen flötengeht?

Ich glaube nicht, dass hier 826.000 Euro veruntreut wurden. Aber ich sehe, dass Transparenz fehlt, obschon Fragenkataloge beantwortet worden sind. Doch die Antworten werfen nur noch mehr Fragen auf. Ich glaube, dass der ursprünglich beworbene Zweck, Hilfe für mutmaßliche Opfer von Till Lindemann, entkernt wurde. Dass man ein emotionales Thema nutzte, um Gelder in eine Struktur zu lenken, die damit eigene Ziele verfolgte. Und ich glaube, dass es nicht zu viel verlangt ist, wenn viele Menschen eine einfache Frage stellen:

Wer hat wie viel Kohle bekommen? Und wer entscheidet jetzt, wer Geld bekommt und wer nicht? Hat Tilda nun einen Beirat? Und ein Telefon? Und was ist mit den Sonderzahlungen?

Wer diese Fragen nicht beantworten will, sollte keine Spendenkampagnen organisieren.

Und alle, die mich angreifen, weil ich kritisch hinterfrage, sollten sich eher fragen: Was ist euch wichtiger? Die Wahrheit? Oder die eigene moralische Pose?

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