Alles Katze! Band 2, 4. Nebenwirkung kit ...

Alles Katze! Band 2, 4. Nebenwirkung kitzlige Pfoten

Jan 10, 2026

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An die Eroberung des Sitzplatzes! – Nebenwirkung kitzlige Pfoten

Draussen ist es hell, der Rasen bereits grün geworden, die neu gesetzten Bäume und Sträucher sind ohne Blätter. Es ist tiefer Winter, trotzdem kein Schnee. Ich sitze auf der mittleren Plattform meines Plüschturms mit bester Aussicht auf den Garten. Unter mir das Wohnzimmer. Mein Reich. Und was passiert? Nichts. Kein Spaziergänger auf dem steilen Weg neben dem Haus. Keine fremde Katze. Keine Vögel. Offenbar haben sie die letzten Grassamen bereits restlos geplündert. Ein ruhiger Betriebstag. Zu ruhig. Als Chef weiss ich: Wenn nichts passiert, dann muss ich etwas tun. Oder zumindest das Territorium überprüfen.

Vielleicht ist jetzt der richtige Moment für eine kleine Gebietserweiterung. Nur kurz raus. Lage sondieren. Nachsehen, ob sich der durchgeknallte, blutende Kater von vorgestern Abend noch irgendwo herumdrückt. Doch, wahrscheinlich traut er sich nicht mehr her. Wie es scheint, teilt Barty diese Einschätzung. Er öffnet mir die Tür schlürft an seinem lauwarmen, halbvollen Kaffee. Er befindet sich wohl in Gedanken irgendwo zwischen Pause und Arbeit. Ich springe von meiner Plattform auf das Sofa, von dort elegant auf den Boden. Einsatzbereit. Die Ohren gespitzt. Ich trabe zur offenen Balkontür. Barty steht neben mir, inzwischen mit leerer Tasse, und starrt ebenfalls auf die Steinplatten der Terrasse. Wir beobachten gemeinsam. Wie es scheint, traut er sich aber noch nicht nach draussen. Da muss ich wohl vorgehen: Langsam setze ich eine Pfote nach der andern auf die Terrassensteine. «Brrr. Ist das Kalt.»

Ich schüttle alle vier Pfoten, als müsste ich mich erst an die neue Arbeitsumgebung gewöhnen. Doch ich ziehe die frische Luft tief durch die Nase. Diese Gerüche! Mäuse. Kater. Markierungen. Geschäftsmöglichkeiten überall. Ich öffne mein Maul, um alles noch besser zu riechen und präziser zu analysieren. Ein richtiger Profi nutzt alle seine Sinne. Ich rausche unter dem Tisch durch zum abgedeckten Grill. Weiter ins halbangewachsene, noch schlammige Gras. Schnell ein zwei Bissen des frischen Grüns. Naja, manchmal bin ich eben auch ein bisschen Kuh. Ich gebe es zwar ungern zu. Ich stehe auf der Wiese, bewege mich keinen Millimeter, rieche, kaue an den frischen Gräsern rum. Natürlich hastig und wie wir Katzen das so machen immer wieder übergebend, um die Haarballen nach oben zu würgen. Barty wird nervös. «Was machst du da Silvy?» «Ach ich bin auf der Weide.» gebe ich zur Antwort.

Ich entferne mich langsam von der Wohnung. Hinter mir ruft Barty verlegen und leicht besorgt: «Silvely, nicht zu weit, du bleibst in der Nähe! Ja!?» Typisch Mitarbeiter. Immer Sicherheit zuerst. Er zieht sich seine «Kroks» an und kommt zwei drei Schritte von der Tür weiter auf den Sitzplatz. Na immerhin. Ein bisschen Mut hat er also auch. Mich motiviert das, den Hang zu den ersten Büschen hochzugehen. Einmal rundherum geschnüffelt, ist die Lage klar: Hier war vor einiger Zeit ein mittelgrosser Kontrahent unterwegs. Und der Frechdachs hat seine Grenze direkt vor meinem Sitzplatz gezogen. Sauerei! Natürlich pinkle ich direkt drüber. Führung muss sichtbar sein. Ich husche weiter hoch bis zum Zaun. Barty wird nervös und kommt wieder in Sichtweite. Wahrscheinlich hat er Angst, wenn ich nicht auf ihn aufpasse. Erstaunlich bei seiner Grösse. Na gut. Ich tu ihm den Gefallen. Noch kurz um die Ecke: «Quietsch!» Eine Maus? Nein. Keine Maus. Die Angst schiesst mir in die Beine. Ich renne. Natürlich durch den Dreck, den schnellsten Weg zurück zum Eingang des Terrassenplatzes. Saubere Pfoten sind schliesslich für Bürokatzen. Ich bleibe auf den Platten stehen, schnaufe wild und versuche herauszufinden, was das war. Barty steht da, mit seiner leeren Kaffeetasse, sichtlich erleichtert, dass ich wieder in seiner Nähe bin und auf ihn aufpasse. Wahrscheinlich hat er es auch gehört. Er kommt zu mir, streichelt mein inzwischen kaltes Fell. «Dreckige Pfoten hast du, Silvy.» «Und kalt sind sie auch!» denke ich. Rein. Sofort. Ich spurte mit zwei, drei Sprüngen durch die Terrassentür. Ahhh. Wohnzimmer. Warm. Sicher. Wenn bloss die Tür zu wäre. «Barty, los jetzt, rein mit dir. Hier ist es sicher und warm!» Er hört mich natürlich nicht. Stattdessen riecht er seelenruhig am Rosmarin. «Mag gut riechen», denke ich, «aber du weisst nicht, was da draussen alles sein kann!» Endlich kommt er rein. Die Tür geht zu. Endlich.

Barty schaut mich an. «Ach Silvy, was machst du nur!» Ich schaue zurück. Mit grossen Augen. «Was ist los?» «Siehst du das?» fragt er mich vorwurfsvoll. Ich springe aufs Sofa. Er ruft: «Nein!» Mit den Vorderpfoten steige ich auf die Lehne und schaue nach draussen. «Ich sehe Nichts, gar nichts! Keine Bagger, keine Katzen, keine Vögel.» Ich miaue fragend: «Ich sehe definitiv besser als die Zweibiis. Oder brauche ich jetzt eine Brille?» Dann kommt auch noch Locky den Gang entlang. «Was ist denn hier passiert?» Noch bevor ich antworten kann, höre ich es: «Ach Silvely, du hast ganz dreckige Pfoten! Voller Schlamm! Schau mal die Wohnung an, das Sofa!» Unbeeindruckt erkläre ich: «Ja logisch. Ich war draussen und habe unser Gebiet vergrössert. So können wir den Mäusefang ausdehnen und haben langfristig genügend Futter.» Ich springe zurück auf meine Mittelstation des Plüschturms. Doch zack! Ich werde gepackt. Vom Turm gerissen. Locky hat mich fest im Griff. «Hey du kleiner Dreckspatz! So geht das nicht!» «Dreckspatz?!» Eine bodenlose Beleidigung für einen stolzen Kater. Ich fresse Vögel. Spatzen sogar besonders gern. Gut, in letzter Zeit eher theoretisch – weil ich mich vor Schnee und Kälte schützen muss und deswegen hier drinnen Vögel lieber im Traum fange. Dann steht da Barty mit einem Lappen direkt vor mir. «Hilfe!» miaue ich. «Was habt ihr vor?!»

Locky setzt sich aufs Sofa und hält mich fest. Barty beginnt Pfote für Pfote zu putzen. «Uäääh! Hihihihihihii!» Ich lache mich kaputt, ich zappele, ich bin kitzlig! Es hilft nichts. Locky hält mich. Barty putzt. Unerbittlich. Nach einer halben Stunde bin ich nach ihren Richtlinien wieder präsentabel. Barty gibt mir eine Belohnung: Malzpaste. In Sekunden ist sie weg. Dann strample ich. Jetzt reicht’s. Locky küsst mich noch auf die Stirn und meint. «Du kleiner Stinker.» Noch so eine Beleidigung! Meine beiden Mitarbeiter wissen echt nicht, was sie an mir haben. Kaum bin ich auf dem Boden, sprinte ich davon. Was war das bloss für ein Stress. Ich hoffe nicht, dass die Zweibiis jetzt nach jedem meiner Ausseneinsätze mit dem Putzlappen bereitstehen.

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