Alles Katze! Band 2, 3. Jetzt wird wiede ...

Alles Katze! Band 2, 3. Jetzt wird wieder in die Pfote gespuckt!

Nov 09, 2025

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3. Protokoll: «Wohnkomfort und Ordnung» - Jetzt wird wieder in die Pfoten gespuckt!

Das Protokoll schreibt: «07:05 Uhr». Ich Silvy beginne mit der Operation «Wohnkomfort und Ordnung». Die morgendliche Inspektionsrunde beginnt. Leise schleiche ich auf meinen Pfoten durch die Wohnung. Die Abteilung «Bodenmanagement» ist im Katastrophenzustand: Verstreute Textilien, metallische Gegenstände, Pfannen, Gabeln, ja sogar Messer, undefinierbare Papierstapel, Kleider und Staub! Überall Staub! Mit dem Staubsauger gäbe es so eine richtig satte Spur durchs grau. Ein beherzter Einsatz des Staubsaugers könnte hier wahre Schneisen der Hoffnungen schlagen – wäre da nicht die Frage der Zugänglichkeit. Selbst Barty müsste es hier Freude bereiten Spuren durch das grau zu legen, obwohl er genau wie ich sonst einen grossen Bogen um den Sauger macht. Und jetzt, jetzt schläft er noch! Mein Blick schweift um die Ecke vom Schlafzimmer in den Gang. Neben Holzlatten, der Verpackung des Schuhgestells türmen sich Jacken und Schuhe wild übereinander. Ich trete näher, prüfe die Stabilität. Ein Schuh entscheidet sich für die Freiheit, kippt. Ich springe zur Seite direkt in die Einzelteile des noch im Aufbau befindlichen Bartisches. »Ich notiere: «Gefährdung durch lose Gegenstände». Priorität «Hoch». Mobilisierung von Locky und Barty durch Spielbälle fangen und Simulation von Verletzungen.

Pfote für Pfote, millimetergenau, als hätte ich einen Termin beim FBI-Direktor, dem Mann mit Aktenkoffer, der sogar Schatten verhört und Koffer mit Röntgenblicken durchbohrt. Fast wie die wöchentliche Beweisaufnahme, Statusupdate der Mitarbeiter in der allwöchentlichen Teamsitzung.

Ich schleiche mich heran – leise, bedacht, voller Tatendrang. Im Gepäck: Das revolutionäre Projekt "Virtuelle Rückengassenplanung", frisch aus der Ideenschmiede, glänzend vor Zukunft und Effizienz. Einsatz der Maschine Staubsauger im düsteren Nebelgrau des Waldes. Doch noch in der ersten Sitzung, hebt sich die buschige Augenbraue des Dienstältesten – ein Relikt aus der Ära der manuellen Vermessung. Er lehnt sich zurück, faltet die Arme, erklärt wie es bisher gemacht wurde und lässt den Satz fallen, der in jedem Büro als geheiligte Bannformel des Fortschritts gilt: «Das haben wir doch schon immer so gemacht.» Ein Satz, so alt wie der Waldboden selbst, fest verwurzelt und resistent gegen jeden digitalen Frühling. Innerlich hofft er wohl, dass diese acht Worte ihn zuverlässig bis zur Pensionierung tragen werden – ohne riskante Begegnungen mit neuen Ideen, Login-Passwörtern oder der unberechenbaren Macht von Cloud-Systemen. Während ich also mit meinem Projekt die Zukunft der Staubsaugerrouten kartieren und planen will, verteidigt er mit Vehemenz und Ruhe die Vergangenheit. Zwei Welten prallen aufeinander: Innovation trifft auf Gummistiefeln, Sicherheitshelm, Stift und Papier. Doch wer Chef ist, weiss – Wandel lässt sich nicht aufhalten. Denn der Kampf durchs Dickicht der Gewohnheiten wird geschlagen werden.

Der Staub berührt also meine Pfoten, doch er wagt es kaum, sich zu regen – als wüsste er, dass heute Präzision Dienstbeginn hat. Ich bin schliesslich kein Gorilla mit Silberrücken, der mit der Faust auf Tisch haut. Nein, ich suche nach mehr: Neudenken. Umdenken. Effizienzdenken. Visionieren. Führen: Miteinander – Füreinander. Bei mir werden Mitarbeiter eingeladen. Teil des Prozesses zu sein – ganz ausgerichtet auf Futterrationen, mit dem Hintergedanken, dass der Tiger – sprich ich – das Unternehmen – jederzeit bereit ist, den ganzen Tisch abzuräumen.

Und schon im nächsten Augenblick – ZACK! – ein seltsames Gefühl unter der Pfote. Etwas Kaltes. Hartes. Mein inneres Alarmsystem schlägt sofort an: Ich springe! Ein Satz, mindestens 1,5 Meter hoch, ebenfalls schnurgerade, ganz wie die erhofften Spuren des Staubsaugers im staubigen grau der Vergangenheit. Ich fauche, der Rücken ein rollender Alpenpass, die Augen weit, wie zwei Vollmonde, die mir den Weg leuchten. Und dann – die Erkenntnis. «Keine Bärenfalle! Kein Hinterhalt. Nur… Lockys Haarklammer.» Wieder auf dem Boden der Tatsachen gelandet atme ich erleichtert aus. Die Umsetzung des Projektes kann angegangen werden, doch Aufräumen hat vorerst noch Zeit. Denn zuerst muss die interne Einigung mit der Abteilung Datensicherheit und IT gefunden werden. 

Abteilung «Wohnzimmer», 08:12 Uhr. Im engen Slalom zirkle ich durch ein Labyrinth aus aufgerissenen Kartonkisten, Cutter-Messer, Schnüren und sonstigem düsterem Chaos. Wie vom Weg abgekommen nach nächtlicher Eskapade in einer fremden Stadt. Ein Moor, wo Wissen Trumpf ist aber auf den Abteilungen lieber der Kater ausgesessen wird und die Leiter sich das Bier gegenseitig zuprosten. Genau da muss gemeinsam eine nachhaltige Lösung für den neuen effizienten Prozessablauf gefunden werden.

Ich erreiche schliesslich den Zielort: das Fenster. Regen. Ein graues Tröpfeln der Enttäuschung. Alles scheint verloren. Drinnen toben die Hurricanes Barty und Locky, eben aufgestanden, draussen – gähnende Leere, durchnässter Schlamm und stillstehende Bagger. Kein einziger Bauarbeiter in Sicht kein Dinosaurier in Betrieb! Abwarten, Kaffeetrinken und mobile Prototypen programmieren, testen, begeistern, vermarkten.

Die Aussenabteilung «Terrasse», zuständig für die Wohlfühloase meines Königreichs, scheint kollektiv verschlafen zu haben. Streik! Mit etwas Glück nur Siesta nach einer durchtanzten Nacht mit Mojito und Aperol Spritz. Ich seufze, tief und bedeutungsvoll wie ein Kunde beim Budget-Meeting: «Was ist hier los? Wer soll mein neues Reich erschaffen, und nach meinen Wünschen gestalten? Niemand da. Niemand! Als wäre ich höchstpersönlich in ein Endlager für nukleare Abfälle versetzt worden!» Dreck. Müll.

Doch siehe da – ein Flackern am Horizont: Hoffnung! «Kostenoptimierung» – das klingt elegant, beinahe nach Fortschritt. Angeblich sogar nachhaltig! In die Praxis übersetz gibt dir aber «deepl.com» zur Antwort: Weniger Köpfe, kleinere Löhne, knappere Budgets und Projektzeiten, die so eng geschnürt sind, dass selbst das schnellste und fleissigste Eichhörnchen keine Nüsse mehr verstecken, keine Vorräte für den Winter mehr anlegen kann. Überstunden? Fehl am Platz. Jedenfalls nicht auf Papier. Denn die Projekte sind so präzise zu knapp kalkuliert, dass jede offizielle Arbeitszeit zu lange dauert. Und Überstunden entsprechend als Verrat am Kostenplan gelten. Nun gut, Überstunden: «Ja». Länger arbeiten: «Ja». Projekte zeitgerecht fertigstellen: «ja» – aber nicht auf Projektstunden. Freizeit ist Trumpf. Wer es trotzdem wagt seine Arbeit auf Projektstunden zu schreiben, der muss sich warm anziehen, einerseits weil die Heizkosten reduziert werden, andererseits weil die Stunden auf Projektnummern verrechnet werden, die den Bonus, den letzten Monatslohn des Jahres schneller schmelzen lassen als das Gefrierfach in der Wohnung bei einem Brand abtaut. Ein Dominoprinzip. Den Mitarbeiter drängen und unter Druck setzen. Ein wahrlich geniales Konzept! Ich spüre förmlich, wie mir die Katerstimmung in den Nacken steigt.

Doch so bin ich nicht. Ich gebe Barty und Locky – meinen unermüdlichen Helden des Alltags – noch eine Chance endlich wieder produktiv zu werden? Wer weiss. Gemütlich trotte ich zu meinem Lammfell, mein Chefbüro mit Aussicht und Bodenheizung. Und so frage ich mich, halb träumend, halb verzweifelt: «Wird das Königreich wieder auferstehen? Und wenn nicht?» Nun – dann bleibt immer noch die interne Weiterbildung: «Selbstmotivation im postapokalyptischen Arbeitsumfeld», Modul 1: Mäusefang im Schlamm.

Vielleicht ist auch wieder einmal «Apéro-riche» angekündigt, obwohl du dir kaum eine Sardelle und ein Glas Fischsuppe ergattern kannst. Was bleibt ist, ich übernehme Verantwortung. Und dann, Alarm! «Klick!» Sofort spitze ich meine Ohren. Ein Eindringling!? Ich fahre alle Systeme hoch – Fell aufgestellt, kerzengerade! Kampfmodus aktiviert! Wer wagt es mich «anzumauen»! Ich husche zurück lande direkt im Basilikum hinter mir. Ich fauche! Der Kater ist frech. Er tut dasselbe. Ich kann es kaum fassen und starre wütend im Halbdunkeln in die Scheibe. Ich renne kurz davon, zwei drei Meter. Dann rausche ich mit voller Wucht wieder auf den Eindringling zu. Der Kater draussen rauscht auf mich zu. Ein Kampf um die Vorherrschaft. Der Gegner ebenbürtig. «Wie kann das sein?» Ich stelle mein Fell nochmals besonders bedrohlich auf, er auch, bis ich plötzlich gegen die Scheibe knalle. «Ha! Erwischt!» Mein Kontrahent rauscht zu Boden und mit ihm auch ich. Fragt sich wer nun hier wen besiegt hat. «Waren es nur meine eigenen Erwartungen, mein Ego oder doch der Kampf der Abteilungen, der Giant DK Bosse?» Meine Schnauze leicht blutig vom Zusammenprall, liege ich auf dem Rücken, schaue über meine Schultern über den Fensterrahmen nach oben. Nichts, der furchteinflössende Kontrahent muss aus Angst, das Feld, den Apéro geräumt haben.

Erleichtert durch diesen Sieg und mit leichten Kopfschmerzen schaue ich langsam über die Kante des Fensterrahmens hinaus. «Hach!» Was für ein schreck! Ich zucke sofort wieder zusammen, denn mein Gegenüber erscheint ebenfalls und tut genau das gleiche. Scheint ihn übel erwischt zu haben. Er blutet aus der Schnauze. Dann höre ich hinter mir: «Ja, Silvely! Was machst den du für Sachen!» Noch einmal knurre ich mein Gegenüber wütend an! «Silvy, das bist du doch nur selber! Du spiegelst dich in der Scheibe» höre ich von Barty, der wie aus dem nichts auferstanden scheint. «Hä was, selbst» denk ich mir und torkle zuerst auf den überstellten farbigen Indianerteppich. Dort hole ich mir einige Streicheleinheiten ab und rutsche auf dem Rücken hin und her. Barty sitzt mit mir auf dem Boden. Ich streiche ihm um die Arme. So: «Genug, jetzt!» ab zur Futterstation. Ein Blick zurück zum Fenster. Der Kater draussen rennt torkelnd davon und verschwindet dann im nichts. «Haha, was für ein Trottel.», beruhigt esse ich ein zwei Happen Trockenfutter, bevor ich endlich meinen Lachs erhalte. Diesmal ganz ohne Kaffee und heute sogar in Sauce!

Abteilung «Küche», 08:57 Uhr. Zwischen Tisch, Stühlen und dem Bodenchaos schmatze ich meine letzten Bissen zu Ende. Dann beobachte ich, wie meine Mitarbeitenden wahllos Gegenstände auf dem Boden verteilen. Vor allem Lebensmittel – alles wild vermischt. Kein System, keine Struktur, keine Vision. Ich sehe mich gezwungen, einzuschreiten: Ich renne drei Mal demonstrativ durch den Raum, um auf Missstände hinzuweisen. Reaktion: «Die Katze, äh der Chef spinnt!» Unverschämtheit.

Ich werfe mich demonstrativ in den Wäschekorb, der zufällig mit frisch gewaschener Wäsche gefüllt ist. Wie so alles scheint auch hier der Hahn verkehrt herumzukrähen. Aber das ist perfekt! Weich, warm, wohl noch vom Schleudergang des Tumblers – Ich versinke darin. Locky ruft: «Silvy!» Als würde sie gleichzeitig lachen und verzweifeln. Barty, murmelt genervt etwas von «sauberer Wäsche». Ich ignoriere ihn. Denn er sollte dankbar sein, dass ich die Qualitätskontrolle übernehme.

Abteilung «Spielwaren», 14:16 Uhr. Locky präsentiert neue Produkte: kleine, springende Bälle. Endlich eine brauchbare Investition! Endlich kann ich auf die Missstände hinweisen: «Testlauf!» miaue ich. Der Ball fliegt. Ich fliege hinterher – majestätisch, geschmeidig, mit der Präzision des Jaguars auf Beutefang. Natürlich mit Direktfang in der Luft, Punktlandung zwischen Besteck und Porzellan. Schepper! Kollateralschaden. Ich schaue die Untergebenen streng an: «Seht ihr, was passiert, wenn hier keine Ordnung herrscht!? Das ist eine Sicherheitsgefährdung!» Die beiden – blass, schuldbewusst, leicht panisch – beginnen endlich zu realisieren. Gabeln und Messer verschwinden in Schubladen, Pfannen in Schränken, der Kühlschrank wird befüllt. Ich sitze im Gang und nicke zustimmend.

Doch kaum ist etwas eingeräumt – Schranzt Barty eine neue Kiste auf. Ich rolle mit den Augen. Abteilung Wohnzimmer, 19:02 Uhr abends. Letzte Kiste. Die Kleider werden noch provisorisch an einer Stange aufgehängt. Ich inspiziere den neu entstandenen Freiraum. Da! Direkt am Fenster. Der perfekte Ort für meinen Leuchtturm, meinen Aussichtsposten aus flauschigem Plüschgold – meinen Katzenbaum. Ich deute mit der Pfote, miaue taktisch, werfe mich demonstrativ an die Glasscheibe und auf den Boden davor. Die beiden schauen mich an, als hätte ich zu viel «Catnip» erwischt. Nach dem gefühlt hundertsten Versuch ruft Locky: «Ah! Der Katzenbaum! Er will ihn direkt ans Fenster, mit Blick in den Garten!» Endlich! Mitarbeiterfortschritt erkennbar. Der Baum wird verschoben. Die Decken gerichtet und ich, ich nehme ihn sofort in Besitz. Von hier aus habe ich Sicht auf mein zukünftiges Reich, meine Untergebenen auf den Sofas und sämtliche potenziellen Eindringlinge im noch schlammigen Königreich vor dem Terrassensitzplatz.

Ich setze mich, rolle die Pfoten unter den Bauch – und schnurre zufrieden. «Gut gemacht, Team.» Trotzdem beim nächsten Umzug bitte Informieren, dann kann ich Planen ohne Hauruckaktionen ohne Desaster, ohne Stress! Und der Kater draussen? «Huaa! Er liegt direkt neben mir!, zwar draussen - aber trotzdem gruselig.» Ich schaue ihn kurz an. Doch er scheint mir freundlich gesinnt. Mit eingetrocknetem Blut an seiner Nase. Also wirklich, dem habe ich es so richtig gezeigt! Der ist vorerst keine Gefahr mehr.

Dann Nachtrag, 21:47 Uhr. Locky trinkt Kaffee, Barty sucht Werkzeuge um das letzte Bild noch vor 22:00 Uhr aufzuhängen. Ich plane bereits die nächste Teambesprechung: Hauptsitzungspunkt: «die Eroberung des Sitzplatzes! Vertreiben des lästigen Katers vor dem Haus!»

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