Alles Katze! Oder ist sie schon mein Che ...

Alles Katze! Oder ist sie schon mein Chef geworden? 8. Angriff eines Monsters

Sep 26, 2025

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8. Angriff eines Monsters – Flucht zur Hintertür

Am nächsten Morgen, als Barty endlich auch wach ist und die Uhr bereits 09:37 Uhr zeigt. Barty macht sich wieder einmal seinen morgendlichen Café bereit. Ich habe bereits gefuttert miaue aber trotzdem, als wäre ich im Stimmtraining. Wo bleibt mein Türöffner? Hat das Sekretariat verschlafen? Endlich – und ich betone: endlich – torkelt Barty aus der Küche, Haare wie nach einem kleinen Stromunfall, murmelt etwas von «zu früh» und «später raus», als wäre ich ein Paket bei der Post, das noch nicht raus darf. Dabei bin ich doch nicht irgendein DHL-Karton! Ich erhöhe den Druck. Miau, miau, miauuu! – herzzerreissend, Shakespeare lässt grüssen. Barty reagiert mit einer Flucht aufs Klo. Klassischer Fluchtreflex. Ich warte – wie immer demonstrativ direkt vor der Klotür, Sitzhaltung: unbewegt, Blick: enttäuscht. Als er rauskommt, stolpert er über mich. Ich höre ihn nur murmeln: «Silvy, jetzt geht noch niemand raus. Es ist… zu früh.» «Zu früh!» Zu früh?! Es ist nie zu früh! Als Chef – gibt es keine Uhrzeiten. Ich renne ihm nach, springe ihm an die Beine und zeige ihm damit wie ernst es mir ist. «Ich will raus!» Schliesslich muss ich mein Revier kontrollieren. Dann endlich nach einer Stunde voller leidenschaftlicher Opern-Miaus in verschiedenen Tonlagen (inklusive Bass und Tenor), erbarmt er sich. Mit den Resten seines mittlerweile kalten Kaffees in der einen Hand, dem Schlüssel in der anderen, kommt mit mir mit zur Haustür. Er wirkt, als hätte er gerade einen persönlichen Meilenstein erreicht. Er hat’s geschafft: Tür auf. Ich spurte hinaus – zielgerichtet wie ein Businessjet auf dem Rollfeld. Barty lässt sich – ganz Praktikant mit Pausenkaffee – auf die Hausstufen sinken, schlürft entspannt an seiner Porzellantasse.

Ich inspiziere gerade das Kiesbett. Als plötzlich, aus dem Nichts, das Chaos über mich hereinbricht – ein Monster! Ein brauner, sabbernder Köter. Er sprintet auf mich zu, wie ein katzenfressender Tornado mit Beinen! Ich starte sofort. Reflexartig. Überlebensmodus aktiviert. «Renn, Silvy, renn!» Höre ich Barty noch schreien! Doch das Monster rollt mir förmlich entgegen. Fast ergreift er mich. Seine Zähne berühren schon meine Fellhaare, als ich die ersten Kieselsteine mit meinen Pfoten unter mir wegspicke. Wie ein 4*4 Rally-Wagen nach einer scharfen linksrechtskurve spule ich auf dem losen Untergrund, nehme aber Tempo auf. Ich bewege meinen Körper gerade noch aus dem Maul des Tropfzahns. Ein Sprint um die Ecke, ein Hechtsprung über das Nachbarsauto, ein Klettermanöver die Föhre hoch. Für die Szene hätte ich in der Kategorie Actionfilm Applaus und wohl auch den Oscar bekommen. Doch hier geht es nicht um Auszeichnungen! Es ist der Ernst des Lebens. Es geht um nichts weniger als Leben oder Sterben. Während meine Krawatte (mein flauschiger Brustpelz) im Wind flattert, höre ich hinter mir: KLIRR! Was war das? Ein weiterer Angriff? Ein Meteorit? Nein – Das war Barty! Er hat seinen Kaffee nach dem Sabermonster geworfen! Mein Barty! Mein Bodyguard! Mein MacGyver im Morgenmantel! Dann höre ich ihn schreien «Du Mistvieh! Wenn ich dich erwische!», und jagt dem Köter hinterher, mit erhobenen Armen, wie ein mittelalterlicher Dorfbewohner bei einer Werwolfjagd. Die Nachbarin, irritiert von dem Spektakel, reisst die Tür auf. «Hey! Sie müssen meinen Hund nicht gleich zum Teufel jagen!» Barty, mittlerweile Kaffeefleck auf dem hellblauen Shirt, brüllt zurück:
«Silvy ist weg! Wegen ihrem Terrier! Stellen Sie sich vor, er ist verletzt!» Barty bleibt im Sprintmodus. Ein loyaler Mitarbeiter! Er rennt ums Haus, panisch, atemlos, voller Sorge, engagiert aber schlecht vorbereitet, als hätte er gerade die Chefin in Tokio vergessen.

Und dann sieht er mich. Ich sitze wie ein Denkmal auf dem Baume hinter dem Haus, meine rechte Pfote leicht erhoben – leicht verletzt, aber heldenhaft. Sein Gesicht hellt sich auf. Tränen in seinen Augen. Eine Mischung aus Erleichterung, Freude und absolutem Wahnsinn. Als letzter Akt springe ich erhaben von der Föhre, die zwei Meter hinüber auf den nur zehn Zentimeter breiten Fenstersims. Barty stürmt zurück zur Haustür und hinein ins Haus. Er rennt ins Schlafzimmer und öffnet mir das Fenster von innen – ein Mitarbeiter, der seine Aufgabe verstanden hat.

Ich springe hinein. Direkt auf den Teppich meines kleinen Königreichs. Plumps. Ich liege da, die Tatze blutig vom heldenhaften Kletterakt. Barty fällt auf die Knie. «Hat dir das Vieh etwas gemacht?!» fragt er, als hätte ich gerade ein Duell mit einem Drachen überlebt. Ich liege still. Dramatisch. Genussvoll. Die Aufmerksamkeit auf mir. Wie sich’s gehört. Er untersucht mich, sanft, mit zittrigen Händen, wie ein Arzt bei der Chance seines Lebens, jemanden zu retten, der eigentlich schon als Tod gegolten hatte. Barty stellt meine leicht blutigen Kletterpfötchen fest. Er atmet auf, streichelt mich vorsichtig und holt Desinfektionsmittel aus dem Apothekenschrank.

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