Kann man Dynamo lieben und Rassismus has ...

Kann man Dynamo lieben und Rassismus hassen?

Oct 18, 2024

Es gibt Ereignisse, auf die ist einfach Verlass: Eckbälle von Dynamo sind harmlos, Heilig Abend ist am 24.12., Hochzeitstag vergessen, verkatert aufwachen, nachdem man am Abend zuvor diesmal wirklich nichts trinken und früh nachhause gehen wollte. Und selbstverständlich seit 13 Jahren die Kommentare unter dem Post zum Aktions-Trikot "Love Dynamo - Hate Racism".

Dann laufen die Anwälte des Rechts auf Intoleranz zur Höchstform auf: "Geil Dynamo wird zu St. Pauli". "Immer schön mitschwimmen. Wie zu allen Zeiten" "Na dann erzähl mal vom letzten Rassismus Fall" "Ihr habt wohl keine anderen Probleme". Nicht zu vergessen, der Nazi-Evergreen: "Politik und Fußball sollten getrennt bleiben". Und dieses eine Mal im Jahr wird sich intensivst für Kinder- und Frauenrechte eingesetzt: "Lieber mal ein Zeichen für Kinderschutz setzen". "Macht lieber das Trikot. Love Dynamo. Hate Messerstecher und Vergewaltiger. Das ist das größere Problem."

Das ist alles gewohnt unoriginell und erstaunt niemand mehr, überrascht mich aber trotzdem jedes Jahr aufs Neue. Schon klar, in den vergangenen Jahren ist rechtsextremes und rassistisches Gedankengut wieder salonfähig geworden, weshalb man das ganze Jahr derartigen Weltverschlechterungsfantasien ausgesetzt ist. Und dennoch ist es beeindruckend, wie stolz erfüllt ihr eure Intoleranz zur Schau stellt, eure notdürftig hinter Whataboutism versteckte Menschenfeindlichkeit präsentiert, kurz gesagt alle eure schlechten Eigenschaften öffentlich macht.

Daraus ergeben sich ein paar Fragen, die sich mir Jahr für Jahr aufs Neue stellen, wenn ich mit solch moralischen Low-Performern konfrontiert bin:

Warum müsst ihr eure unmenschliche (oder vielleicht leider doch allzu menschliche) Einstellung so stolz zur Schau stellen? Gibt es dafür in eurer Fascho-Bubble Bonuspunkte? Wer 10 Mal auf Toleranz-Posts mit Hass reagiert, bekommt eine "Best of Höcke"- DVD?

Was ist so schlimm daran, KEIN Rassist zu sein? Was fürchtet ihr, geschieht, wenn ihr andere Menschen nicht beschimpft, diskriminiert, hasst? Es hat sich vielleicht noch nicht herumgesprochen, kein Rassist zu sein, ist nicht mit krassen Verpflichtungen, Aufgaben oder Entbehrungen verbunden. Kein Rassist zu sein bedeutet nicht, dass ihr Messerstecher und Vergewaltiger lieben müsst. Kein Rassist zu sein bedeutet nicht, Kinder zu hassen. Kein Rassist zu sein bedeutet auch nicht, dass ihr St. Pauli Fan werden müsst und nie wieder zu Dynamo dürft. Gegen Rassismus zu sein, tut niemandem weh. Weder euch noch anderen Menschen. Ist euch klar, dass Rassismus hingegen Menschen ganz real weh tut? Körperlich und seelisch.

Schon mal drüber nachgedacht, dass ihr gar keine nonkonformen Systemkritiker seid, die den Mainstream hinterfragen, sondern rücksichtslose Mitläufer am rechten Rand?

Was tut ihr außerhalb eures Rassismus-Engagements für Frauenrechte und für den Kinderschutz? Ist euch klar, dass man als Messerstecher und Vergewaltiger kein Ausländer sein muss? Wisst ihr, dass man Posts, die Toleranz, Respekt und Freundlichkeit thematisieren, auch einfach nicht kommentieren kann?

Womit ich auch schon bei meiner letzten Frage angelangt wäre: Könntet ihr nicht einfach mal die Klappe halten? Wenigstens ein Mal im Jahr? Zum Beispiel, wenn die LDHR-Trikots vorgestellt werden?

Herzlichst, Spuckelch.

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