Ach man, jetzt sitze ich wieder da, starre in mein Glas und versuche nicht an Dich zu denken. Gelingt natürlich nicht, obwohl du heute in Wiesbaden wieder so abweisend warst. Ich lass' den Frust am Nachbarn aus, pöble ihn voll, weil er die falsche Musik hört, irgendwas Lebensbejahendes. Was Fröhliches in dieser Lautstärke! Ekelhafter Typ. Hat er gar keine Gefühle? Kennt der dich womöglich gar nicht?
Mein Herz ist nicht fröhlich. Es ist schwer. Denn du brichst es gerade zum mindestens zum tausendneunhundertdreiunfünzigsten Mal.
Ich weiß ja, es war schon immer kompliziert mit uns. Denn ich fühle mich viel zu oft von dir nicht gesehen. Du gehst so gut wie nie auf meine Bedürfnisse ein, möchtest ununterbrochen angehimmelt und bewundert werden. Ich habe oft das Gefühl, für dich ist es selbstverständlich, dass ich alles für Dich tue. Alle meine Freunde sagen, ich hätte mich total verändert , seitdem ich dich kennen. Ja, es stimmt! Ich denke nur noch an Dich, hänge ständig bei Dir ab, bin wirklich immer für Dich da und ziehe mich sogar wie Du an.
Du wirfst mir dann oft vor, ich würde Dich damit unter Druck zu setzen, und ich hätte viel zu überzogene Erwartungen an unsere Beziehung. Was für ein Quatsch. Wir sind das perfekte Paar! Für einander bestimmt!
Eine ganz schlimme Phase haben wir Anfang des Jahres durchgemacht. Wir hatten uns nichts zu sagen, du zogst dich komplett zurück, jede Leidenschaft war weg. Wenn ich bei dir war, machte jeder sein Ding. Ich war damals fast soweit, mich zu trennen. Diesmal endgültig. Dann tatest du, was du immer in solchen Situationen tust: Mit einem romantischen Tag gegen Cottbus und einer wahnsinnig heißen Nacht gegen Düsseldorf setztest Du auf Love Bombing. Klar sprang ich darauf an und verzieh dir. Der Körper schüttete fast drei Wochen das Glückshormon Dopamin aus, das für ein starkes Wohlgefühl sorgt. Der Rausch hielt nicht lange. Du hattest deine Bestätigung von mir bekommen und zogst dich direkt wieder zurück. Seitdem zeigst mir die kalte Schulter, lässt mich am ausgestreckten Arm emotional verhungern und lungerst meist lustlos im Drittligaalltag rum.
Aber ich bin halt auch selber Schuld, wenn ich immer wieder bei dir auf die gleiche Masche reinfalle, in der Hoffnung, Dein wunderschönes wahres Ich kommt mal wieder zum Vorschein und Du zeigst Deine Gefühle. Dann schauen wir nicht aufs Geld, haben nur uns und unsere Leidenschaft. Wir reisen wieder wie Bonnie und Clyde nach Hamburg, Berlin, München, Frankfurt, Dortmund oder Stuttgart und treiben es ganz wild in Leipzig.
Ich bin und bleibe eben ein Romantiker. Doch ich kann nicht anders. Denn ich liebe Dich, Dynamo.
