
In https://arnold-schiller.de/die-algorithmische-falle-warum-das-social-media-verbot-den-ueberwachungskapitalismus-zementiert/ verwandte ich den Begriff. Bildete mir ein, dass das jemand schon so gesagt hätte. Durchaus ist das möglich, aber es lässt sich nicht feststellen und ich finde auch nichts dazu. So entstand jetzt dieser Artikel.
Systemischer Kernschrott der Plattformarchitektur: Versuch einer Begriffsbestimmung
Der Begriff „systemischer Kernschrott der Plattformarchitektur" bezeichnet einen Zustand digitaler Plattformen, in dem die fundamentalen Designentscheidungen ihrer technischen und institutionellen Architektur gesellschaftlich schädliche Outcomes nicht nur ermöglichen, sondern strukturell erzwingen. Er unterscheidet sich von verwandten Konzepten wie der Enshittification (Doctorow 2023) oder dem Überwachungskapitalismus (Zuboff 2018) dadurch, dass er nicht den Prozess des Verfalls oder ein spezifisches Extraktionsmodell beschreibt, sondern den Zustand einer Architektur, deren Defekte nicht reparierbar sind, weil sie konstitutiv für ihr Funktionieren sind. Der Beitrag entwickelt eine Begriffsbestimmung, ordnet ihn in die bestehende Debatte ein und skizziert die regulatorischen Implikationen.
1. Einleitung
Die öffentliche Debatte über die gesellschaftlichen Auswirkungen großer digitaler Plattformen kreist zumeist um Symptome: die Verbreitung von Desinformation, die Radikalisierung von Nutzer:innen, die Monopolisierung öffentlicher Aufmerksamkeit, die Erosion demokratischer Diskurse. Diese Phänomene sind hinreichend dokumentiert – zuletzt eindrücklich durch die Studie „Gesellschaftliche Auswirkungen systemischer Risiken" im Auftrag der Bundesnetzagentur, die zeigt, dass 84 % der Deutschen Desinformation als große oder sehr große Gefahr für die Demokratie betrachten und 67 % befürchten, sie solle gezielt politische Meinungsbildung und Wahlergebnisse beeinflussen (Watolla et al. 2024).
Weniger klar ist die konzeptuelle Sprache, mit der über die Ursache dieser Symptome gesprochen wird. Liegt das Problem in einzelnen Algorithmen, die falsch kalibriert sind? In bestimmten Inhalten, die moderiert werden müssten? In einzelnen Akteur:innen, die Plattformen für ihre Zwecke missbrauchen? Oder liegt es tiefer – in der Architektur der Plattformen selbst?
Der Begriff des systemischen Kernschrotts der Plattformarchitektur versucht, diese letzte Position zu präzisieren. Er schlägt vor, den Fokus von der Symptom- auf die Strukturebene zu verlagern und die Frage zu stellen: Was wäre, wenn die schädlichen Outcomes nicht trotz der Plattformarchitektur entstehen, sondern wegen ihr?
2. Begriffsbestimmung
2.1 Plattformarchitektur als Analyseebene
Unter „Plattformarchitektur" ist nicht allein die technische Infrastruktur einer digitalen Plattform zu verstehen. Der Begriff umfasst vier aufeinander bezogene Schichten:
Technische Schicht: Algorithmen der Inhaltsempfehlung und -moderation, APIs, Datenbankstrukturen, Schnittstellen zu Werbenetzwerken.
Ökonomische Schicht: Das Geschäftsmodell, insbesondere die Monetarisierungslogik (werbefinanziert, abonnementbasiert, transaktionsbasiert) und die daraus resultierenden Optimierungsziele.
Governance-Schicht: Die Nutzungsbedingungen, Content Policies, Beschwerdemechanismen und deren Durchsetzung.
Institutionelle Schicht: Die Eigentümerstruktur, die Interessenlagen der Anteilseigner und das Verhältnis zur Regulierung.
Diese vier Schichten sind nicht unabhängig voneinander. Sie interagieren und verstärken sich gegenseitig. Eine Plattform, die über Werbeeinnahmen finanziert wird, optimiert ihre Algorithmen für Engagement statt für Relevanz – weil Engagement Verweildauer produziert und Verweildauer Werbeeinnahmen. Diese Optimierung ist nicht eine Fehlkalibrierung, die behoben werden könnte, ohne das Geschäftsmodell anzutasten. Sie ist das Geschäftsmodell. Die technische und die ökonomische Schicht sind strukturell verkoppelt.
2.2 Der Begriff „Kernschrott"
Die Metapher des Schrotts entstammt der Materialwirtschaft und bezeichnet Material, das seinen ursprünglichen Verwendungszweck nicht mehr erfüllen kann – Metall, das korrodiert ist, Stahl, der seine Tragfähigkeit verloren hat. „Kernschrott" spezifiziert: Es handelt sich nicht um einen oberflächlichen Defekt, der repariert werden könnte, sondern um eine Schädigung des tragenden Elements, der Kernstruktur selbst.
Übertragen auf Plattformarchitekturen bezeichnet „Kernschrott" einen Zustand, in dem die grundlegenden Designentscheidungen – nicht das Interface, nicht einzelne Funktionen, nicht einzelne Klauseln der Nutzungsbedingungen – das strukturelle Problem darstellen. Schrott lässt sich nicht reparieren; er muss eingeschmolzen und neu gegossen werden.
Die konzeptuelle Stärke der Metapher liegt in ihrer Klarheit gegenüber Reformrhetorik. Wer von „Kernschrott" spricht, behauptet, dass inkrementelle Verbesserungen – mehr Transparenz hier, ein verbesserter Beschwerdemechanismus dort, eine schärfere KI-Moderation an dritter Stelle – das Grundproblem nicht adressieren. Das tragende Element selbst ist defekt; Flickwerk stabilisiert nicht, es verzögert den Einsturz.
2.3 Das Attribut „systemisch"
Das Adjektiv „systemisch" leistet eine doppelte Qualifikation, die beide Bedeutungsebenen für die Analyse unverzichtbar sind.
Erstens: Die Schäden sind kein Randphänomen, sondern entstehen aus der Systemlogik heraus. Sie sind emergente Eigenschaften des Gesamtsystems – nicht notwendigerweise in jeder einzelnen Designentscheidung intendiert, aber als Ergebnis der Systemdynamik vorhersehbar und unvermeidlich. Der Schaden ist, in diesem Sinne, eingebaut.
Zweitens: Der Kernschrott ist selbstverstärkend. Eine Plattform, die von Engagement abhängt, muss ihren Algorithmus kontinuierlich aggressiver optimieren, um Aufmerksamkeit in einem sich verdichtenden Wettbewerb zu sichern – was wiederum die Tendenz zur Polarisierung und Sensationalismus verstärkt. Eine Plattform, die Verhaltensdaten monetarisiert, hat strukturelle Anreize, die Datenerhebung auszuweiten, was den Lock-in vertieft, was die Abhängigkeit der Nutzer:innen erhöht, was die Extraktionsmöglichkeiten erweitert. Das System produziert seinen eigenen Kernschrott beschleunigt selbst.
Die Kombination beider Bedeutungsebenen ergibt die vollständige Aussage des Begriffs: Systemischer Kernschrott der Plattformarchitektur bezeichnet eine Architektur, deren Designentscheidungen strukturell und sich selbst verstärkend gesellschaftlichen Schaden produzieren – und zwar nicht als Nebenwirkung, die behoben werden könnte, sondern als funktionales Ergebnis.
3. Konzeptuelle Einbettung und Abgrenzung
3.1 Enshittification (Doctorow 2023)
Cory Doctorows Begriff der Enshittification (alternativ: Platform Decay) beschreibt einen Prozess der Plattformdegradierung in drei Phasen: zunächst Wertschöpfung für Nutzer:innen, um sie anzulocken und zu binden; dann Verschlechterung der Nutzererfahrung zugunsten von Geschäftskunden, denen nun bevorzugte Sichtbarkeit verkauft wird; schließlich Extraktion gegenüber beiden Gruppen zugunsten der Anteilseigner (Doctorow 2023). Das Modell ist primär temporal: Es erzählt die Geschichte einer Plattform über ihre Lebenszeit.
Der Begriff des systemischen Kernschrotts schließt an Doctorow an, unterscheidet sich jedoch in zwei Hinsichten. Erstens beschreibt er einen Zustand, keine Entwicklung. Die Frage ist nicht mehr, wie eine Plattform zu ihrem gegenwärtigen Zustand gelangt ist, sondern was dieser Zustand strukturell bedeutet. Zweitens macht er die Architektur explizit zum Analysegegenstand, während Doctorow stärker auf das Verhalten der Plattformbetreiber fokussiert. Für regulatorische Zwecke ist dieser Unterschied erheblich: Verhaltensregulierung setzt am Akteur an; Architekturregulierung setzt am Design an. Erstere ist leichter umgehbar, letztere tiefer eingreifend.
3.2 Überwachungskapitalismus (Zuboff 2018)
Shoshana Zuboffs Konzept des Überwachungskapitalismus identifiziert die Extraktion von Verhaltensdaten als die zentrale Logik der dominanten Plattformökonomie. Die Architektur der Datenerfassung, -analyse und -monetarisierung ist für Zuboff das konstitutive Merkmal einer neuen Wirtschaftsform, die das menschliche Verhalten als Rohstoff behandelt (Zuboff 2018).
Der Begriff des systemischen Kernschrotts ist in einem wichtigen Sinne breiter: Er umfasst Zuboffs Diagnose, geht aber über sie hinaus. Nicht nur die Datenextraktion, sondern die gesamte Designarchitektur – einschließlich algorithmischer Empfehlungssysteme, Governance-Strukturen, Monetarisierungslogik und Lock-in-Mechanismen – steht im Fokus. Gleichzeitig ist er neutraler gegenüber der Frage, ob ein kohärentes intentionales Projekt dahinter steht. Der Begriff lässt offen, ob die schädlichen Outcomes das Ergebnis strategischer Planung oder emergenter Systemdynamiken sind – und plädiert dafür, dass diese Frage für die regulatorische Analyse zweitrangig ist.
3.3 Systemische Risiken (DSA-Terminologie)
Der Digital Services Act der EU führt in Art. 34 DSA den Begriff der „systemischen Risiken" für sehr große Online-Plattformen (VLOPs) und sehr große Online-Suchmaschinen (VLOSEs) ein. Der Risikokatalog umfasst u.a. Risiken für öffentliche Gesundheit und Sicherheit, für den demokratischen Diskurs, für Grundrechte sowie im Zusammenhang mit geschlechtsspezifischer Gewalt. Die verpflichtende Risikobewertung und das Risikomanagement sind Kernstücke des DSA-Rahmens.
Der Begriff des systemischen Kernschrotts der Plattformarchitektur versteht sich als konzeptuelle Zuspitzung dieser DSA-Terminologie: Er behauptet, dass die systemischen Risiken nicht neben der Plattformarchitektur existieren, sondern aus ihr hervorgehen. Die Risikobewertung und das Risikomanagement, die der DSA vorschreibt, müssen folglich an diesem Punkt ansetzen – nicht nur fragen, welche Risiken von einer Plattform ausgehen, sondern warum die Architektur diese Risiken strukturell produziert. Der DSA-Rahmen ist insofern eine notwendige, aber unter der gegenwärtigen Auslegung noch nicht hinreichende Bedingung.
4. Mechanismen: Wie entsteht systemischer Kernschrott?
4.1 Die Architektur der Aufmerksamkeitsökonomie
Werbefinanzierte Plattformen haben einen strukturellen Anreiz, die Verweildauer der Nutzer:innen zu maximieren. Aus dieser Prämisse folgt algorithmisch: Inhalte, die starke emotionale Reaktionen auslösen – Empörung, Angst, moralische Entrüstung –, werden bevorzugt ausgespielt, weil sie die Plattform länger zur Bühne machen. Steffen et al. (2025) zeigen, dass Desinformation in der Logik der Aufmerksamkeitsökonomie wirtschaftlich erfolgreicher ist als faktische Beiträge, weil sie stärkere emotionale Reaktionen produziert.
Diese Optimierungslogik ist nicht das Ergebnis einer Fehlfunktion; sie ist das Ergebnis einer Funktion, die korrekt arbeitet – nur für das falsche Ziel. Der Algorithmus tut, was er soll: Engagement maximieren. Dass dies Polarisierung, Desinformation und psychische Belastung als Kollateralschäden produziert, ist aus Sicht der Architektur kein Problem, sondern ein nicht berechneter Externalitätspfad. De la Torre et al. (2025) zeigen in ihrer Analyse der kognitiven Grundlagen der Aufmerksamkeitsökonomie, dass diese Systeme strukturell auf die Ausbeutung kognitiver Schwachstellen der Nutzer:innen ausgerichtet sind.
4.2 Koordinierte Inauthentizität als Architekturschwachstelle
Watolla et al. (2024) identifizieren koordinierte inauthentische Verhaltensweisen als eine der zentralen Realisierungsformen systemischer Risiken. Es ist entscheidend, diese nicht als Missbrauch von außen zu verstehen, sondern als Ausdruck einer Architekturschwachstelle: Plattformen, die Reichweite über Engagement-Metriken vermitteln, sind strukturell anfällig für koordinierte Manipulation, weil ihre Architektur Manipulation und authentisches Engagement algorithmisch nicht trennen kann – und ökonomisch keine Anreize hat, diese Trennung zu leisten. Der Kernschrott liegt nicht in den manipulierenden Akteur:innen, sondern in einer Architektur, die Manipulation und organisches Engagement funktional gleichsetzt.
4.3 Lock-in als strukturelle Voraussetzung
Ein dritter Mechanismus des systemischen Kernschrotts ist die Lock-in-Architektur. Durch Netzwerkeffekte, mangelnde Interoperabilität und fehlende Datenportabilität werden Nutzer:innen strukturell gefangen gehalten. Diese Gefangenschaft ist kein Nebenprodukt der Plattformarchitektur; sie ist deren Fundament. Doctorow (2023) beschreibt dies als die Bedingung der Möglichkeit von Enshittification: Nur wer seine Nutzer:innen nicht verlieren kann, kann sie systematisch ausbeuten. Lock-in ermöglicht die Verschlechterung der Nutzererfahrung ohne ökonomische Konsequenzen für den Betreiber. Er ist der strukturelle Kern, der die übrigen Mechanismen erst ermöglicht.
5. Empirische Indikatoren
Die vorliegenden empirischen Befunde illustrieren Ausmaß und Richtung des systemischen Kernschrotts:
Auf der Ebene des Vertrauensverlustes: 40 % der Bevölkerung vertrauen Medien und Plattformen allgemein weniger; 81 % sorgen sich um den gesellschaftlichen Zusammenhalt (Watolla et al. 2024). Dieser Vertrauensverlust ist keine psychologische Anomalie, sondern die rationale Reaktion auf eine Infrastruktur, die regelmäßig Desinformation amplifiziert.
Auf der Ebene der Demokratiegefährdung: 67 % der Befragten befürchten, dass Desinformation gezielt politische Meinungsbildung und Wahlergebnisse beeinflussen soll. Dass Plattformbetreiber diesem Befund gegenüber weitgehend untätig blieben, ist kein Versäumnis, sondern Ausdruck einer Architektur, die Verantwortungslosigkeit als Standardzustand konstituiert.
Auf der Ebene der regulatorischen Asymmetrie: Der Digital Services Coordinator der Bundesnetzagentur verfügte 2025 über rund 37 von erforderlichen 91 Planstellen. Gegenüber milliardenschweren Konzernen, die Tausende von Ingenieur:innen für Compliance-Ausweichstrategien einsetzen können, ist diese strukturelle Unterausstattung selbst ein systemisches Problem.
6. Regulatorische Implikationen
Der Begriff des systemischen Kernschrotts hat Konsequenzen für die regulatorische Praxis. Er impliziert eine Hierarchie der Eingriffstiefen:
Inhaltsregulierung greift zu kurz. Verbote oder Filtermaßnahmen für einzelne Inhalte adressieren Symptome. Die Plattformarchitektur, die diese Inhalte systematisch amplifiziert, bleibt unberührt. Inhaltsregulierung behandelt Ausschussprodukte, ohne die Produktionslogik zu verändern.
Verhaltensregulierung ist notwendig, aber nicht hinreichend. Transparenzpflichten, Risikoberichte und Beschwerdeverfahren – wie im DSA vorgesehen – sind wichtige Instrumente. Sie können das Verhalten einzelner Akteur:innen beeinflussen, verändern aber nicht die strukturellen Anreize, die durch die Architektur gesetzt werden. Ein Plattformbetreiber, der zur Risikoabschätzung verpflichtet ist, ohne dass seine Monetarisierungslogik in Frage gestellt wird, hat strukturelle Anreize, die Risikoabschätzung so zu gestalten, dass das Kernangebot unberührt bleibt.
Architekturregulierung ist erforderlich. Das bedeutet regulatorische Anforderungen an das Design der Empfehlungsalgorithmen selbst – konkret: an die erlaubten Optimierungsziele. Eine Architektur, die auf Engagement-Maximierung optimiert und dabei nachweislich Schäden für demokratische Diskurse produziert, müsste verpflichtet werden, alternative Optimierungsziele (Relevanz, Wohlbefinden, Informationsqualität) nachzuweisen und zu implementieren. Hinzu kommen Anforderungen an Interoperabilität und Datenportabilität, die Lock-in-Effekte strukturell abbauen, sowie die regulatorische Trennung von Plattform und Werbenetzwerk, die das fundamentale Interessenkonflikt der werbefinanzierten Aufmerksamkeitsökonomie adressiert.
Keines dieser Instrumente ist technisch unmöglich. Sie sind politisch schwer durchzusetzen – was Doctorows These bestätigt, dass Enshittification kein Naturgesetz ist, sondern das Ergebnis politischer Entscheidungen, die Monopole ermöglicht und wirksame Regulierung verhindert haben.
7. Schlussfolgerung
Der Begriff systemischer Kernschrott der Plattformarchitektur benennt eine Diagnose, die in der akademischen und politischen Debatte zunehmend artikuliert wird, aber bislang keinen präzisen konzeptuellen Ausdruck gefunden hat: dass die gesellschaftlich schädlichen Outcomes großer digitaler Plattformen nicht trotz, sondern wegen ihrer Architektur entstehen – und dass diese Architektur nicht durch inkrementelle Reformen adressiert werden kann, weil das tragende Element selbst defekt ist.
Die Begriffsbestimmung leistet damit dreierlei: Sie verschiebt den analytischen Fokus von Symptomen zu Strukturen. Sie schärft die regulatorischen Anforderungen, indem sie Inhalts- und Verhaltensregulierung als notwendig, aber nicht hinreichend qualifiziert. Und sie liefert eine konzeptuelle Sprache für eine Debatte, die bisher zwischen der zeitlichen Erzählung der Enshittification, der Extraktionslogik des Überwachungskapitalismus und dem Risikokatalog des DSA pendelt – ohne den gemeinsamen architektonischen Nenner explizit zu machen.
Der Begriff ist eine These, keine fertige Theorie. Seine Fruchtbarkeit wird sich daran zeigen, ob er die empirische Forschung zu spezifischeren Fragen anleiten und die regulatorische Praxis zu schärferen Anforderungen motivieren kann.
Literatur
De la Torre, L. / Pérez-Verdugo, M. / Barandiaran, X.E. (2025): Attention is all they need: cognitive science and the (techno)political economy of attention in humans and machines. In: AI & Society.
Doctorow, C. (2023): The 'Enshittification' of TikTok. Wired, 23.1.2023.
Gsenger, M. (2025): Plattform governance under the Digital Services Act: a perspective on disinformation.
Koch, M. / Mennig, P. (2024): Plattformökonomie am Ende? Welchen Einfluss haben KI, Metaverse und Nachhaltigkeit auf digitale Geschäftsmodelle? Fraunhofer IESE, 2. Juli 2024.
Spindler, G. (2022): Funktion und Verantwortung von Plattformen als Informationsintermediäre. In: Spieker gen. Döhmann / Westland / Campos (Hrsg.): Demokratie und Öffentlichkeit im 21. Jahrhundert.
Steffen, N. / Kroon, A. / Wiewiorra, L. (2025): Verbreitung und Auswirkungen von Desinformation im Kontext des DSA & Online-Plattformen.
Watolla, A. / Zerrer, P. / Rau, J. / Merten, L. / Kettemann, M. / Puschmann, C. (2024): Gesellschaftliche Auswirkungen systemischer Risiken – Demokratische Prozesse im Kontext von Desinformationen. Im Auftrag der Bundesnetzagentur (DSC).
Zuboff, S. (2018): The Age of Surveillance Capitalism: The Fight for a Human Future at the New Frontier of Power. PublicAffairs.
