Im Blitzlicht gefangen (Westwood - Teil ...

Im Blitzlicht gefangen (Westwood - Teil 11)

May 23, 2025

„Was ist denn mit dir los, Eleanor?“

Harris kam mit seiner Cola in der Hand vor die Tür, die junge Dame von der Bar im Nacken. Er warf einen Blick nach rechts, dann einen nach links, während sich die Barkeeperin leicht mit dem Kopf schüttelnd zurück in den Pub begab. Darauf hatte Eleanor gewartet, bevor sie sprach.

„Ich habe sie gesehen, Harris“, begann sie. „Ich habe sie gesehen. Sie ist hier langgelaufen, aber als ich rauskam, war sie nirgends mehr aufzufinden.“

Harris runzelte die Stirn.

„Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass Kim Westwood hier langläuft, ohne dass irgendjemand aus der Stadt sofort Alarm schlägt, oder?“

„Nicht, wenn sie Zweifel haben oder sie schon mit einer Person unterwegs war. Und hier waren zwei Frauen.“

Eleanors Handy klingelte, was ihr eine willkommene Ausrede war, um nicht weiter auf Harris‘ zweifelnde Miene eingehen zu müssen.

Doch dann sah sie, wer anrief.

Jacob.

„Ich kann gerade nicht“, blaffte sie ins Handy und war schon kurz davor, wieder aufzulegen, als sie innehielt und ihm doch zuhörte.

„El, Faulkner weiß, wo Rusov ist“, sagte er lediglich. Und dann: „Hat er es dir gesagt?“

„Seit wann weiß er es?“

„Schon seit seinem Verschwinden. Er kennt jemanden, der Rusov Unterschlupf gewährt hat.“

Eleanor runzelte die Stirn und massierte sich mit der anderen Hand die Schläfen.

Schon wieder geschah zu viel auf einmal. Sie sah Kim Westwood in dem Ort, in dem eine Spur zu Scarsdale Whittingham und damit auch Lux Tenebris führte, dem Ort, in dem sie erst vor einigen Wochen nach zehn Jahren wiederaufgetaucht war.

Und jetzt die News mit Rusov.

„Wo ist er?“, fragte sie, während Harris‘ zweifelnder Blick einfach nicht nachließ. Sie konnte spüren, dass er ihr widersprechen würde, sobald das Telefonat mit Jacob beendet war.

„Also hat er‘s dir nicht gesagt“, war Jacobs Antwort. Doch bevor sie ihn zu mehr drängen konnte, war die Leitung bereits tot.

„Nicht dein Ernst!“, rief sie wütend und starrte auf den Homescreen. Sie rief Jacob zurück. Vielleicht war es ja nur ein Funkloch, das sich plötzlich über ihr aufgetan hatte, aber irgendetwas sagte ihr, dass Jacob erneut mit ihr spielte und sie wissen lassen wollte, wie wenig sie überhaupt in Erfahrung gebracht hatte.

Nach mehreren Minuten, die sie schon fast als Telefonterror bezeichnen würde, ließ sie ihn in Ruhe und schob das Handy in ihre Tasche zurück.

Gerade als Harris zu seinem Vortrag ansetzen wollte, schob sich ein junger Mann mit professioneller Kamera freundlich grüßend an ihm vorbei in den Pub. Harris schaute ihm kurz verdutzt nach, dann zu Eleanor, die glaubte, den selben Verdacht zu haben, wie ihr Kollege.

Eleanors Magenknurren war von ihrer Neugier unterdrückt worden. War der Mann der Fotograf, der Kim Westwood fotografiert hatte? Wenn ja, hatte er vielleicht noch weitere Bilder von ihr gemacht? Konnte er sagen, wer die andere Person auf dem Zeitungsfoto war?

Oder war das alles nur ein riesiger Irrglaube?

Sie spürte die ersten Regentropfen auf dem Gesicht und betrat nach einem kurzen, bedeutungsvollen Blickwechsel mit Harris erneut den Pub.

Der junge Mann saß an der Bar und unterhielt sich mit der Bedienung. Die Kamera – augenscheinlich eine im vierstelligen Preissegment befindliche Canon – lag auf dem Tresen neben einem Glas Ale, an dem er sich gerade gütlich tat. Das rot-blau karierte Hemd war im Stil einer Jacke über das schwarze T-Shirt gezogen und die schwarzen Jeans waren abgetragen. Er konnte nicht älter als Mitte zwanzig sein, denn er gab sich betont studentisch alternativ. Vielleicht auch nur, um bei der Barangestellten landen zu können.

„… verbringe ich dann doch lieber hier drin“, sagte er gerade mit einem vielsagenden Blick zu der Studentin, die sich eben etwas umständlich ein neues Glas aus dem oberen Regal holte, wobei ihr Shirt etwas hochrutschte und ihm einen guten Blick auf ihren schlanken Bauch gewährte.

Der Regen hatte sich nun in einen regelrechten Wasserfall verwandelt. Eleanor sah, wie die Barkeeperin kurz die Lippen schürzte, als würde sie sich darüber ärgern, vor wenigen Minuten noch ein volles Haus vorhergesagt zu haben und nun mit lediglich drei Kunden in diesem Raum eingesperrt zu sein.

Auch Eleanor war in einem eigenen, ganz persönlichen, Raum eingesperrt. Sie war in Gedanken immer noch bei Kim Westwoods Sichtung. Es war doch Kim gewesen, oder? Sie hatte sich das nicht nur eingebildet, weil sie unbedingt in diesem Fall vorankommen wollte? Konnte es sein, dass die Frau ihr nur ähnlichgesehen hatte?

Es war lediglich der Bruchteil einer Sekunde gewesen, aber wenn ihre Augen sie nicht komplett betrogen hatten, war die hagere junge Frau, die im Beisein einer anderen am Fenster vorbeigelaufen war, definitiv Kim Westwood gewesen. Dann wiederum hätte ihr Unterbewusstsein ihr auch nur einen Streich spielen können. Es wäre nicht das erste Mal gewesen, dass sie Dinge sah, weil sie sie sehen wollte.

Womit sich das Gespräch mit Jacob in ihren Kopf schlich. Auch in Jacob sah sie Dinge, die sie sehen wollte und ignorierte das, was sie nicht sehen wollte. Warum rief er genau jetzt an? Warum war er so kryptisch? Er hatte ihr die Gelegenheit zum Gespräch mit Faulkner doch überhaupt erst verschafft, warum hatte er ihr also nicht gleich gesagt, was er wusste?

Sie bekam mal wieder das Gefühl, dass sie nur ein Spielball war, eine Schachfigur, die man willkürlich hin und her schieben konnte, wenn es gerade taktisch gut war. Doch irgendwann würde der Moment kommen – und sie sehnte ihn sich ebenso herbei wie sie ihn fürchtete – in dem sie geopfert werden würde…

Harris betrachtete sie von ihrem Tisch am Fenster aus mit nachdenklichem Blick. Sie ahnte, dass auch er über die letzten Minuten nachdachte – wenn auch auf vollkommen andere Art und Weise als sie.

Der Fotograf hatte gerade eben zu seinem Pintglas gegriffen, als die Straße draußen kurz aufleuchtete. Der Regen hatte sich in ein waschechtes Gewitter gewandelt.

„Was willst du essen, Eleanor?“, fragte Harris, um die Stille zu durchbrechen, während er mit seinem Handy den am Tisch befestigten QR-Code einscannte.

Es dauerte einige Sekunden bis Eleanor sich daran erinnerte, dass ihr Magen schon seit einer Stunde lauthals Alarm schlug. Westwood und Jacobs kryptischer Anruf hatten jeglichen anderen Gedanken aus ihrer Wahrnehmung verdrängt. Mit einem Blick auf die Sintflut vor dem Pubfenster ergab sie sich vorerst ihrem Schicksal und setzte sich zu Harris an den Tisch, um einen Blick auf die Speisekarte zu werfen.

Nachdem Harris einen als Feuertopf bezeichneten Eintopf und Eleanor Mac’n’Cheese bestellt hatten, begann Harris: „Du glaubst wirklich, sie war es, ja?“

Eleanor nickte. Der Fotograf saß, nun da die attraktive Aushilfe mit Bestellungen beschäftigt war, auf dem Handy scrollend an der Theke und war in der Lage, jedes einzelne Wort mit zu hören.

„Meinst du nicht, dass du sie nur sehen wolltest?“

Eleanor wusste, dass dieses Argument kommen würde.

„Es waren die Haare und der Blick, die mich überzeugt haben, Harris.“

Harris schaute aus dem Fenster.

„Ich würde wetten, dass sie nicht durch Caernarfon spaziert, während die gesamte Boulevard-Presse hinter ihr her ist, oder?“

„Es sei denn, die Person neben ihr zwingt sie dazu.“

„Sah es denn aus, als würde sie gezwungen werden? Hatte die andere Person sie am Arm gepackt oder eine Waffe dabei?“

Eleanor schüttelte den Kopf, bevor sie sagte, was Harris ihrer Meinung nach eigentlich von allein hätte in Betracht ziehen müssen.

„Sie steht doch unter Einfluss, Harris.“

Harris biss sich auf die Unterlippe und schaute weiterhin auf die nun pitschnasse Kopfsteinpflasterstraße vor dem Pub. Es würde schwierig werden, auf der Straße unfallfrei zur Bushaltestelle nach Bangor zu kommen.

„Wer hat dich angerufen?“, fragte er dann und wandte ihr seinen Blick zu. Er schien sie direkt wie ein offenes Buch lesen zu können und wandte sich mit einem wissenden, kaum wahrnehmbaren Kopfschütteln wieder ab.

„Er hat angedeutet, dass uns was verschwiegen wurde.“

„Was denn?“

Harris‘ Neugier war geweckt.

„Darüber würde ich ungern hier drin sprechen“, gab Eleanor mit einem Kopfnicken zur Bar zurück.

Harris fixierte den Fotografen, der immer noch seelenruhig auf dem Handy gescrollt hatte, es nun jedoch mit einem breiten Lächeln für die wiederkehrende Studentin weglegte. Offensichtlich wartete er auf seine nächste Gelegenheit für einen Flirt, was Harris sichtlich herausforderte.

„Glaubt wohl, der könnte bei ihr landen“, murmelte er nur und Eleanor konnte sich ein belustigtes Schmunzeln nicht verkneifen. Harris konnte stundenlang analytisch denken, doch sobald eine attraktive Dame Gefahr lief, von einem anderen Mann erobert zu werden, verhielt er sich wieder wie ein pubertierender Fünfzehnjähriger, der eifersüchtig das Paparazzifoto seines Superstar-Schwarms mit ihrem neuen Geliebten betrachtete.

Eleanor beobachtete Harris gespannt, während die Studentin nun über die Schulter des Fotografen hinweg auf den Bildschirm der Kamera schaute und immer wieder anerkennend nickte und dem Mann vor ihr ein verspieltes Lächeln nach dem anderen schenkte.

„Ich finde, wir sollten mit ihm sprechen“, knurrte Harris, die Augen fest auf seinen Widersacher gerichtet.

„Weil er eventuell die Fotos für die Zeitung gemacht hat, oder?“

Harris blinzelte kurz, bevor er ein überzeugtes „Natürlich“ zurückgab und seinen Stuhl entschlossen zurückschob. Eleanor folgte ihm.

Ein Grollen erfüllte den Raum. Das Gewitter hatte volle Fahrt aufgenommen. Als hätte er seinen Auftritt geplant, zuckte gerade in dem Moment ein Blitz vor dem Fenster auf, als Harris die Flirtenden an der Bar erreichte. Doch bevor er etwas sagen konnte, hatte sich Eleanor bereits dazwischen gedrängelt.

„Schreckliches Wetter für’s Fotografieren, oder?“, sagte sie fast schon beiläufig. „Bei dem Regen…“

Der Fotograf schenkte ihr ein mitleidiges Lächeln.

„Das Beste überhaupt“, sagte er. „Niemand rechnet damit, dass man auf der Lauer liegt, wenn’s schüttet. Und meiner Canon EOS R6 Mark II macht ein bisschen Regen nichts aus, wissen Sie?“

„Wem liegen Sie denn auf der Lauer?“

Er verdrehte die Augen und wandte sich an die Studentin, die dem Gespräch aufmerksam lauschte.

„Hör dir das an. Als ob sie nicht wüssten, dass hier vor Kurzem Kim Westwood gesehen wurde.“

„Haben Sie das Foto geschossen?“, fragte Harris, für Eleanors Geschmack etwas zu sehr im Polizeiton. Den Fotografen schien es nicht weiter zu stören. Mit einem überheblichen Gesichtsausdruck fragte er lediglich: „Wer will das denn wissen?“

Die Bedienung verschwand wieder im Nebenraum, wodurch ihm die Lust am Prahlen vergangen zu sein schien. Gelangweilt holte er nun sein Handy aus der Hosentasche und begann erneut, darauf zu scrollen.

„Das ist mein Kollege Rob Ledger“, sagte Eleanor, bevor Harris ihr Cover in die Luft jagen konnte. „Mein Name ist Dorothee Birkley. Wir sind Journalisten der Mail und suchen nach demjenigen, der das Foto geschossen hat. Könnte locker das wichtigste Foto des Jahres sein, oder, Rob?“

Harris zwang sich, kurz durchzuatmen, bevor er ein steifes Lächeln hervorbrachte und nickte.

„Rhys Paisley“, sagte der Fotograf, nun mit ganz anderer Miene, steckte das Handy weg und reichte beiden die Hand. Sie fühlte sich warm und weich an, als hätte er in seinem Leben noch nie ein anderes Werkzeug als seine Kamera gehalten.

„Das Foto ist tatsächlich von mir“, sagte er mit einem schiefen Grinsen.

Harris schaltete schnell, zog sein Handy und stellte die Diktierfunktion ein, sodass Eleanor bewundernd feststellen musste, wie realistisch journalistisch sie beide dadurch wirkten.

„Kommen Sie von hier, Mr. Paisley?“, fragte Eleanor.

„Kommt drauf an, wie man hier definiert. Wrexham. Andere Seite. Für viele hier sicher schon zu nah an England.“

Eleanor schenkte ihm ein Lächeln, das den kulturellen Unterschied unter den Walisern anerkennend zur Kenntnis nahm.

„Aber Sie sind oft hier unterwegs?“

„Ich mache ab und an auch Landschaftsfotografie und da ist Eryri natürlich prädestiniert.“

Er hatte die walisische Bezeichnung Snowdonias besonders betont. Auch hier, dachte Eleanor, war eine leichte Provokation zu erkennen. Ungewöhnlich für jemanden, der für eine Preisverleihung in Frage kam.

„Können Sie uns sagen, wo Sie das Foto geschossen haben, Mr. Paisley?“

„Auf dem Campingplatz, gegenüber der Burg“, sagte Paisley. „Purer Zufall. Ich stehe dort mit meinem Camper und auf einmal marschiert sie dort lang, als hätte sie komplett vergessen, dass das ganze Land auf der Suche nach ihr ist. Die Chance hab‘ ich mir natürlich nicht entgehen lassen.“

Eleanor und Harris tauschten einen vielsagenden Blick. Kein Camper dort hatte ein britisches Kennzeichen gehabt.

„Stehen Sie noch immer dort? Vielleicht in der Hoffnung, dass sie dort nochmal vorbeikommt?“, fragte Harris mit hochgezogenen Augenbrauen.

Paisley zögerte kurz, taxierte Harris und sagte dann: „Aktuell nicht, nein. Ich will heute wieder zurück nach Wrexham und bin deshalb schon auf dem Parkplatz bei der Burg.“

„Auf dem Bild war noch eine andere Person zu sehen“, sagte Eleanor. „Wissen Sie, wer das war? Eine Verwandte vielleicht?“

Paisley zuckte mit den Schultern.

„Ich habe Westwood gesehen und war mir sicher, dass sie der große Schnappschuss wird. Die andere Person war mir relativ egal.“

„Sah es so aus, als wäre Westwood nicht freiwillig dabei gewesen?“

Der Fotograf zog zögernd die Augenbrauen zusammen und warf Eleanor einen analysierenden Blick zu. Eleanor bemerkte, wie sich seine Schultern merkbar anspannten.

„Keine Ahnung. Ist das wichtig für den Wettbewerb oder so?“

Die Frage war fast schon aggressiv, als müsste er sich vehement gegen eine Beschuldigung verteidigen.

„Nicht wirklich, aber die Story wäre eine komplett andere, wenn Westwood nicht freiwillig hier wäre.“

„Das interessiert euch? Bei der Mail?“

Wieder der arrogante Ton, in dem er vorhin schon deutlich gemacht hatte, dass ignorante Journalisten aus England sich besser daran gewöhnen sollten, walisische Namen für walisische Nationalparks zu nutzen – in dem vollen Wissen, dass gerade die Mail eine regelrechte Hetzkampagne gegen die Umbenennung gefahren hatte.

Eleanor täuschte ein verlegenes Grinsen vor.

„Nun, sagen wir es so: Stories über Kim Westwood verkaufen sich wie gute Krimis. Ein unerwarteter Twist würde der ganzen Sache neues … Feuer geben.“

Paisley schien sich mit der Antwort zufrieden zu geben, denn seine Schultern entspannten sich deutlich.

„Ich hab nicht wirklich drauf geachtet. Mein Fokus war auf Westwood, nicht auf irgendwelchen belanglosen Figuren neben ihr. Westwood ist aktuell sowas wie der heilige Gral unter uns Fotografen.“

„Haben Sie das Original noch? Das wäre wichtig für den Wettbewerb“, fragte Eleanor mit einem Blick auf die stinkteure Kamera.

„Selbstverständlich, aber leider nicht auf der Kamera, wenn Sie es jetzt sehen wollen. Ich kann’s Ihnen aber zusenden, wenn Sie mögen.“

„Das wäre super“, sagte Eleanor und schrieb ihm eine nicht existente Mail-Adresse auf, die sie so schnell wie möglich registrieren wollte, damit die Fotos im Idealfall ankamen.

Sie hoffte nur, dass es keine andere Dorothee Birkley gab, die diesen Provider nutzte…

„Der Feuertopf und die Mac’n’Cheese für Sie“, sagte die wieder zurückgekehrte Bedienung und beendete damit vorerst Eleanors und Harris‘ Gespräch mit Paisley.

Das Wetter hatte sich wieder beruhigt, ebenso schnell wie sich Paisleys Laune geändert hatte, als er erfuhr, dass Eleanor und Harris angeblich für eine der bekanntesten Tageszeitungen Großbritanniens arbeitete. Die Kopfsteinpflasterstraße schimmerte im nun langsam wieder durchdringenden Sonnenlicht und ab und an huschte ein durchnässter Fußgänger am Pub vorbei.

Eleanor und Harris begannen schweigend zu essen. Nach einigen Minuten verabschiedete sich Paisley von der Studentin und verließ mit einem kurzen Kopfnicken in Eleanors Richtung den Pub. Harris folgte seiner Silhouette durch’s Fenster, bis er nicht mehr zu sehen war.

„Alles in Ordnung?“, fragte die Barkeeperin mit einem Blick auf ihr Essen und fügte dann, ohne eine weitere Antwort abzuwarten, hinzu: „Rhys ist ein ziemlicher Angeber. Lassen Sie sich von ihm nicht alles weismachen.“

Eleanor schluckte den gerade eben aufgenommenen Löffel Käsemacaroni herunter, bevor sie antwortete.

„Sie kennen ihn schon länger?“

Die junge Frau nickte.

„Wir sind seit ein paar Monaten zusammen. Er wohnt in Bangor, aber er hält ein bisschen zu viel auf sich, was seine Fotos angeht.“

Harris schaute von seinem Feuertopf auf und versuchte, sich seine Schärfeempfindlichkeit gegenüber der Barkeeperin nicht anmerken zu lassen. Sicherlich hatte auch er vernommen, was die Studentin gerade unfreiwillig preisgegeben hatte.

Bangor. Nicht Wrexham.

„Wie meinen Sie das?“, fragte Eleanor und versuchte, sich ein Lachen zu verkneifen. Harris‘ hochrotes Gesicht war in Schweiß gebadet. Der Feuertopf schien seinem Namen mehr als gerecht zu werden.

„Ich würde ihn als Instagramberühmtheit bezeichnen“, sagte die Bedienung mit einer betont von Harris‘ Kampf unwissenden Mimik. „Aber viel Geld kommt dabei nicht rum. Die Kamera hat er nur auf Pump gezahlt.“

„Auf Pump?“, fragte Harris betont lässig.

„Kreditkarte“, sagte die Bedienung mit einem leisen Lächeln. Sie schien nicht zum ersten Mal Männer mit ihrer Würde kämpfen zu sehen. „Er stottert die Raten gerade so ab. Aber der Schnappschuss von Westwood vor einigen Tagen hat ihm einen ganz guten Bonus beschert.“

„Haben Sie das Foto gesehen?“, warf Eleanor ein, um Harris Gelegenheit zum Räuspern zu geben. Anscheinend hatte sich ein Chiliflöckchen in seiner Luftröhre verfangen.

„Das wollte er mir nicht zeigen. Hat nur gesagt, dass ich es bald schon in der Zeitung sehen würde. Ich hab gelacht, weil er solche großspurigen Sprüche schon öfter gebracht hat, aber dann war da wirklich das Foto von Kim Westwood auf der Titelseite!“

Die Tür des Pubs öffnete sich und eine vierköpfige Familie betrat den Raum. Mit einem entschuldigenden Blick ging die Barkeeperin zurück zur Theke und ließ ihre beiden Gesprächspartner mit mehr Fragen als Antworten am Tisch zurück.

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Ich warte bereits auf dich in den dunklen Schatten des nächsten Teils...

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